Ein Sommer in Singapur
Wie wurde aus einem kleinen Inselstaat wie Singapur einer der wichtigsten Wirtschaftsstandorte der Welt? Mit dieser Frage beschäftigten wir uns vom 3. bis zum 14. August an der „Summer School in Asia“. Dabei handelt es sich um ein zweiwöchiges Programm der Universität St. Gallen (HSG) über Unternehmertum, Innovation und die asiatische Wirtschaft. Meine Reise begann eigentlich nicht am Flughafen, sondern einige Monate zuvor in Frau Vollmers Klassenraum. Sie machte mich auf die Summer School und die Möglichkeit eines Stipendiums aufmerksam und schlug mich anschließend mit ihrer Empfehlung dafür vor.
Das Auswahlverfahren fand vollständig auf Englisch statt, da drei Stipendien auf internationaler Ebene zu vergeben waren. Bei der Bewerbung zählten nicht nur die schulischen Noten, sondern auch das außerschulische Engagement, die eigenen Interessen und die Motivation. Zusätzlich musste man einen englischen Essay verfassen, in dem man erklärte, warum die Summer School eine Bereicherung für einen wäre. Nachdem ich die erste Runde bestanden hatte, folgte ein englischsprachiges Onlineinterview mit Prof. Dr. Matthias A. Tietz, dem Leiter der Summer School. Er fragte mich nach meinem Interesse an Unternehmertum und nach meinen Zielen für die Zukunft. Letztendlich ging es im Interview aber nicht nur um fachliche Themen, sondern auch um Empathiefragen wie beispielsweise: ,,Wie würde ich reagieren, wenn eine andere Teilnehmerin an einem deutschen Flughafen Schwierigkeiten hätte, während ich selbst schon in Singapur angekommen wäre?“ Dabei ging es weniger um eine perfekte Lösung, sondern mehr darum, wie ich mit einer unerwarteten Situation umgehe und ob ich einer anderen fremden Person helfen würde.
An der Summer School nahmen 22 Schüler*innen sowie Schulabsolvent*innen teil. Viele kamen aus Deutschland oder der Schweiz und wollten noch im selben Jahr ein Studium an der HSG beginnen oder sich später dort bewerben. Am Anfang kannten wir uns noch nicht, aber das war kein Problem, denn wir kamen schnell ins Gespräch. Wir hatten ähnliche Interessen und waren alle neugierig darauf, was uns in den nächsten zwei Wochen erwarten würde. Im Unterricht beschäftigten wir uns vor allem mit Entrepreneurship, Innovation und wirtschaftlichen Strategien in Asien. Der Unterricht bestand nicht nur aus Vorträgen, sondern verfolgte auch das Ziel, am Ende in jeder Gruppe ein selbst entwickeltes Unternehmen zu pitchen. Wir mussten Aufgaben aufteilen, uns einigen und unsere Ergebnisse gemeinsam präsentieren. Gerade hier merkte man besonders, dass eine gute Idee selten von einer Person allein kommt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Summer School waren die Besuche bei Unternehmen und Organisationen. Dazu gehörten Porsche Asia Pacific, HOPE Technik, Dell Technologies, die Schweizer Bank UBS und viele weitere (genauer gesagt ein bis zwei Unternehmen pro Tag, also ziemlich sportlich 🙂.)
Die Besuche waren besonders spannend gestaltet, weil wir nicht nur Präsentationen über die Unternehmen bekamen, sondern direkt einbezogen wurden. Wir konnten mit Mitarbeiter*innen sprechen, Fragen stellen und wurden teilweise in Aufgaben ihres Arbeitstages eingebunden. Die Einblicke waren in ganz unterschiedliche Bereiche, darunter Finanzen, Technologie, Ingenieurwesen, Meeresforschung und vieles mehr. Zum Programm gehörte außerdem ein sozialer Einsatz bei „Willing Hearts“. Die Organisation bereitet Mahlzeiten für bedürftige Menschen in Singapur zu. Dieser Vormittag zeigte uns eine andere Seite der Stadt und ergänzte die wirtschaftlichen Themen der Summer School mit einer gesellschaftlichen Perspektive. Es wurde deutlich, dass Unternehmertum auch mit sozialer Verantwortung verbunden sein sollten.
Natürlich lernten wir neben dem Unterricht und den Unternehmensbesuchen auch Singapur selbst kennen. Wir erkundeten alle Gegenden, probierten gemeinsam lokale Gerichte und verbrachten Zeit auf St. John’s Island. Wie es der Zufall erlaubte, fiel Singapurs Nationalfeiertag am 9. August genau in die Zeit unserer Summer School. Das Land feierte seinen 61. Geburtstag unter dem Motto „Majulah Singapura, Go Beyond!“. Damit kommen wir auch wieder zurück zu meine Frage vom Anfang. Nach den zwei Wochen gab es zwar keine einfache Antwort darauf, da Singapur eine komplexe Entwicklung durchlief, aber ich verstand besser, wie gut durchdachte Strategien langfristig zum Ziel führen können. Innerhalb von nur zwei Wochen entstanden zwischen 22 zuvor fremden Teilnehmenden Freundschaften, die auch nach der Summer School weiter gepflegt werden.
Abschließend möchte ich mich noch einmal bei Frau Vollmer bedanken. Ohne ihren Hinweis und ihr Vertrauen hätte ich diese Chance wahrscheinlich nicht wahrnehmen können. Sie hat mich während meiner Schullaufbahn nicht nur dieses Mal auf tolle Angebote aufmerksam gemacht, sondern mir durch ihre engagierte Arbeit in der Begabungsförderung stets wertvolle Chancen ermöglicht. Mit großer Dankbarkeit blicke ich auf diese wertvolle Erfahrung zurück und bin gespannt darauf, welche Einblicke andere in zukünftigen Programmen gewinnen werden.
Magdalena Li (Q2)